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Eisenwald

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Hervorgegangen aus dem Wunsch, die Geschichte, Topografie und Natur meiner Heimat stärker in mein künstlerisches Schaffen einzubinden, kehre ich mit dieser konzeptionellen Arbeit an den Ort zurück, den ich in meiner Kindheit am meisten aufgesucht habe. Den Wald.

Hier, in diesen von Bergen und Tälern durchzogenen Wäldern, wurde bereits seit dem 9. Jahrhundert Eisenerz abgebaut. Dort, wo das Gestein besonders erzreich war, genügend Holz und Wasserkraft zur Verfügung stand, entwickelte sich eine ausgeprägte vorindustrielle Montanindustrie. Bergstollen, Köhlerplätze und Hohlwege aus dieser Zeit sind im Laufe der Jahrhunderte zu kaum mehr wahrnehmbaren Zeitzeugen geworden. Versunken, verschüttet oder schlichtweg vom Wald überwachsen.

Der Wald wird zum temporären Atelier, in dem mit Licht, Chemie und Zeit experimentiert wird.

Genau dort, wo die Natur wieder die Spuren dieser Zeit verwischt hat, setze ich mit meinem Projekt an. Dazu bediene ich mich der Technik der Cyanotypie. Bei diesem historischen fotografischen Verfahren werden Eisensalze zum Erstellen stabiler fotografischer Abbildungen verwendet. Als direkte Kontaktkopien entstehen diese Lichtzeichnungen ohne eine Kamera oder sonstiges optisches Gerät. Es sind, wie es Henry Fox Talbot 1844 in „The Pencil of Nature“ beschreibt, von der Natur selbst erstellte abbildungen. Eine von Mensch und Technik weitgehendst unbeeinflußte Wiedergabe von vorgefundenen Formen und Strukturen.

Die Werke entstehen nicht im Vorbeigehen sondern im Verweilen und Innehalten.

Der Arbeit in der Natur voraus geht eine direkte und intensive Recherche, eine Auseinandersetzung mit der Geschichte und Landschaft der Region. Nicht nur diese Vorarbeit, auch die eigentliche Belichtung, benötigt ihre eigene Zeit Es gilt, die Orte auszukundschaften. Am besten zu verschiedenen Tageszeiten, um ein Gefühl für das Licht- und Schattenspiel zu bekommen. So kann es sein, dass ich an einigen Tagen nur die in Frage kommenden Orte abwandere und auf ihre Möglichkeiten hin untersuche.

Als Bildträger verwende ich neben Papier auch Leinen – teilweise handgewebt. Das teilweise große Format verleiht den Werken oft einen objekthaften, skulpturalen Charakter, anders als man es von klassischen Papierabzügen gewohnt ist.

Die mitunter technischen Unzulänglichkeiten dieses Verfahrens, seine Materialität und seine monochrome blaue Färbung dienen mir als gestalterisches Mittel, mit dem ich eine eigene Ästhetik entwerfe. Die Werke sind analoge, mit der Natur komponierte Unikate.

Gegenentwürfe zur Aufgeregtheit unserer digitalen Zeit, die eine schlichte Schönheit und Ereignislosigkeit in sich tragen.

Kunstwerke, Landmarken und Zeitzeugen.

Installationsansicht "TERRA INCOGNITA" | Fotofestival Schmallenberg

Cyanotypien auf Baumwollpapier, Leinen und Baumwoll

Cyanotypien auf Baumwollpapier | verschieden Abmessungen

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